Hallo, ich bin's... lange nicht mehr gesehen... Ich hätte da mal ein Anliegen:
Wer in den letzten Wochen meine Social-Media-Aktivitäten verfolgt hat, der könnte möglicherweise etwas genervt sein. Alle Nase lang poste ich irgendeinen dummen Spruch oder Link gegen die AfD oder Nazis. Und ich kann es diesen Leuten in den meisten Fällen auch nicht verdenken, denn die meisten sind ja einer ähnlichen Meinung, wie ich. Die AfD sind verkappte Nazis und Nazis, Rassisten und Faschisten sind scheiße. Puh, gerade noch rechtzeitig sich seiner selbst vergewissert und sich in der eigenen Filterblase noch mal schnell profiliert. Jetzt aber schnell wieder zu Netflix, so ein Serienmarathon guckt sich schließlich nicht von alleine!
Wer in den letzten Wochen meine Social-Media-Aktivitäten verfolgt hat, der könnte möglicherweise etwas genervt sein. Alle Nase lang poste ich irgendeinen dummen Spruch oder Link gegen die AfD oder Nazis. Und ich kann es diesen Leuten in den meisten Fällen auch nicht verdenken, denn die meisten sind ja einer ähnlichen Meinung, wie ich. Die AfD sind verkappte Nazis und Nazis, Rassisten und Faschisten sind scheiße. Puh, gerade noch rechtzeitig sich seiner selbst vergewissert und sich in der eigenen Filterblase noch mal schnell profiliert. Jetzt aber schnell wieder zu Netflix, so ein Serienmarathon guckt sich schließlich nicht von alleine!
Das könnte man denken… Aber ich mache mir wirklich sorgen. Nicht erst
seit Chemnitz, aber seitdem umso mehr. Ich bin in den 90ern und Anfang der
2000er in einer Welt groß geworden, in der so etwas wie Krieg und Faschismus in
Europa Relikte aus einer anderen Zeit waren. Klar, Krieg gab es immer nur ein
paar Flugstunden von uns entfernt, aber bei uns war alles super. Selbst
Rassismus war in meinem Umfeld kein Thema. Das kannte man höchstens aus den
Nachrichten, wenn mal wieder ein paar glatzköpfige Idioten Radau gemacht haben.
Aber man war sich einig, dass diese Idioten Idioten waren und der Rest der
Bevölkerung deren Weltbild nicht teilte. Rückblickend betrachtet war das
vielleicht etwas naiv, aber so war es damals halt. Zumindest war ich es in
meinem jugendlichen Leichtsinn.
Heute protestieren Menschen gegen offenen Rassismus und Faschismus in
Deutschland und müssen sich im Internet dafür beschimpfen lassen und ich frage
mich, wie das sein kann. Eine erschöpfende Antwort kann auch ich nicht geben.
Ich bin weder Sozio- noch Psychologe, noch verstehe grundsätzlich etwas davon,
was in den Köpfen der Menschen vor sich geht. Nicht erst seit Chemnitz, aber
seitdem umso weniger.
Es war offensichtlich ein Trugschluss, dass wir in Deutschland
rassistische und faschistische Tendenzen hinter uns gelassen hätten. Das haben
die NSU-Morde und die Auswirkungen der Flüchtlingskrise eindeutig gezeigt.
Vielleicht haben wir einfach nur sehr gut gelernt, nicht zu sehen, was wir
nicht sehen wollten. Außerdem befanden wir uns kurz vor oder gerade erst am
Anfang des Internetzeitalters. Die Menschen waren noch nicht so vernetzt und es
gab einen von allen Institutionen unterstützten Konsens, dass rechtes
Gedankengut geächtet gehört, was wahrscheinlich viele davon abgehalten, sich in
dieser Hinsicht zu „outen“. Diese Zeit ist vorbei. Der damals angenommene
Konsens fängt an zu bröckeln, seit jeder und jede seine Meinung frei und
ungefiltert in die Welt hinausposaunen kann und feststellt, dass es gar nicht
so wenige Menschen gibt, die genau dasselbe denken.
Auftritt: Die Filterblase! Dank der immer weiter verbreiteten
Social-Media-Plattformen haben wir es geschafft, uns unsere eigenen,
ungestörten Welten zu schaffen. Meine ist super, keiner teilt irgendwelche
hetzerischen Fake-News, gefühlt ist jeder schon irgendwie gegen rechts und ab
und zu wird sich ironisch-sarkastisch über die dummen Nazi-Ossis lustig
gemacht. Andersdenkende muss man schon aktiv suchen, zum Beispiel in den
Kommentaren von Nachrichtenseiten. Dort kann man dann so als eine Art
sportliche Übung ab und zu mit ein paar Rechtsauslegern streiten und wenn man
keine Lust mehr hat, dann zieht man sich einfach wieder in seine Blase zurück
und lässt sich von seinesgleichen berieseln.
So kann man natürlich ganz gut ausblenden, dass es da draußen auch noch
andere Menschen gibt. Menschen, die kein Problem damit haben, die AfD zu
wählen. Menschen, die immer noch glauben, was in den BILD-Überschriften steht
und wenn man Pech hat, auch was in der Compact, auf Tichys Einblick oder bei
Breitbart Deutschland geschrieben wird. Aus Sicht dieser Menschen muss
Deutschland verteidigt werden. Gegen die messermordenden und vergewaltigenden
Migrantenhorden, schließlich ist ja selbst laut unserem (noch) Innenminister
die Migrationsfrage die Mutter aller Probleme. Vielleicht ist das aber auch ein
wenig überspitzt. Aber diese Menschen lesen nur schlechtes über Geflüchtete,
weshalb sich ein überwiegend negativer Gesamteindruck manifestiert. Wenn dann
irgendwelche linksgrünversifften, bahnhofsklatschenden Gutmenschen versuchen,
ein anderes Bild zu zeichnen, dann stößt man dort beinahe zwangsläufig auf
taube Ohren, die eigene Blase sagt einem ja tagtäglich etwas Gegenteiliges.
Und jetzt sind wir im hier und jetzt. Die deutsche Gesellschaft scheint
zweigeteilt und selten sah es weniger danach aus, als ob irgendein Kompromiss
gefunden werden könnte. Die Frage ist, kann es überhaupt einen Kompromiss
geben? Sollte es ihn geben?
Das Problem ist, dass jeder sich auf seiner Seite im Recht fühlt und
das aus seiner Sicht mit guten Argumenten belegen kann. Schließlich hört man ja
immer wieder von schlimmen Taten von Geflüchteten (z.B. hier, hier, hier, oder hier).
Dies nutzen Parteien wie die AfD aus, um einen wie auch immer gearteten
Kompromiss möglichst unmöglich zu machen. Sie macht die bösen Geflüchteten zur
Wurzel allen Übels. Es ist ja nicht so, dass es in manchen Teilen Deutschlands
keine Gründe für Unzufriedenheit gäbe. Langzeitarbeits- und Perspektivlosigkeit
sind gerade in der ostdeutschen Provinz sehr verbreitet. Infrastrukturelle und
kulturelle Angebote werden aus Kostengründen immer weiter zurückgefahren, so
dass sich zu allem auch noch ein Gefühl des abgehängt-seins breitmacht. Die
alteingesessenen Parteien sind an dieser Entwicklung mit Sicherheit nicht ganz
unschuldig. Genauso, wie an finanziellen Einbußen, die viele Menschen als Folge
der Politik der vergangenen Jahre hinnehmen mussten (Hartz IV etc.). Und es
gibt noch viele andere Gründe, warum die Menschen unzufrieden sind und die AfD
hat es geschafft, all diese Probleme auf ein Kernthema zu fokussieren:
Geflüchtete! Die machen uns alles kaputt, rauben uns aus, vergewaltigen unsere
Frauen und machen sich auf unsere Kosten ein schönes Leben, während Oma Hilde jeden
Abend im Park Pfandflaschen sammeln muss. Aber man ist natürlich dabei nicht
rechts. Man hat ja nichts gegen Ausländer per se, es gibt ja auch gute
Ausländer, nämlich die, die man von den Deutschen am besten gar nicht mehr
unterscheiden kann. Und wehe, man bezeichnet sie als rechts, da wird man aber
sauer.
Ja, wie kann man es bloß wagen, Wörter wie „Nazi“, „Rechte“ oder „Faschisten“
in einen Zusammenhang mit der AfD zu bringen? Eine Partei, deren politische
Arbeit allein darin besteht, alles den Geflüchteten in die Schuhe zu schieben
und diese so zum Sündenbock für alles Schlechte in er Welt macht, ohne
Antworten auf echte Fragen zu liefern (Alice Weidel WDR-Interview).
#AfD: Ahnungslos für Deutschland#Gauland #Sommerinterview pic.twitter.com/VxqfZukTSj— extra3 (@extra3) 16. August 2018
Eine Partei, die es nicht schafft, einen Björn Höcke auszuschließen, der offen irgendwelche kruden Rassentheorien verbreitet (ARD Panorama). Eine Partei, die die Zeit des Dritten Reiches als Fliegenschiss in der deutschen Geschichte bezeichnet (ZEIT Online). Eine Partei, die sich inzwischen offen mit rechten Organisationen zeigt (Pro Chemnitz). Eine Partei, die den Medien offen droht (Twitter) und versucht, Journalisten und andere kritische Medienschaffende einzuschüchtern (Schlecky Silberstein).
Wenn eine solche Partei in Deutschland 15-20% der Wähler anspricht und
sich anschickt, in mindestens einem Bundesland die stärkste Kraft zu werden,
dann haben wir hier ein Problem, welches nicht ignoriert werden darf. Wenn bei
einer Legida-Demonstration von den Demonstranten lautstark gefordert wird, dass
Geflüchtete auf hoher See „absaufen“ sollen (Panorama Pegida) und niemand widerspricht,
dann haben wir verdammt nochmal ein Problem. Und wenn in Chemnitz nach einem
tragischen Zwischenfall zwischen einem Deutschen und drei Geflüchteten ein Nazimob
durch die Straßen zieht, der Journalisten und Ausländer jagt (VICE Doku),
den Hitlergruß zeigt und Naziparolen à la „Ausländer raus“ und „Adolf Hitler
Hooligans“ brüllt, dann haben wir verdammt nochmal ein riesiges fucking
Problem! Da ist es aus meiner Sicht dann auch vorbei mit der wohligen
Filterblase. Das sind keine besorgten Bürger auf einem Trauermarsch, das sind
schlicht und ergreifend Nazis, die das Gefühl haben, dass jetzt endlich ihre
Zeit gekommen ist und sie sich nicht mehr verstecken müssen.
Sie haben dieses Gefühl, weil ihnen die AfD und Co. den Weg bereitet
haben. Ständig haben sie es geschafft, das Thema Geflüchtete in den Mittelpunkt
zu rücken und das mit einer Sprache, die immer weiter den rechten Rand auslotet
und so schleichend den Konsens über das, was sich gesellschaftlich zu sagen
gehört immer weiter nach rechts verschoben, bis inzwischen auch Politiker der
etablierten Parteien diese Sprache übernommen haben (Söder/Klöckner Asyltourismus). Zudem
wurde die Sicht verbreitet, dass es nur ein entweder/oder in der Asylfrage
gibt. Entweder man ist ein linksgrünversiffter Gutmensch, für den alle
Geflüchtete Engel sind oder man ist ein aufrechter Deutscher, der die Heimat verteidigt
und keinen mehr reinlässt. Differenzierte Meinungen, wie zum Beispiel, dass
Asylverfahren deutlich schneller, effizienter und am Ende auch konsequenter
umgesetzt werden müssen während man natürlich jeden Asylantrag erst einmal
entsprechend international geltendem Recht zu prüfen hat, werden ausgeblendet.
Genauso wie die wahrscheinlich gar nicht mal so seltene Ansicht, dass
straffällige Asylbewerber natürlich ebenso die Härte des deutschen
Rechtsstaates zu spüren bekommen müssen, wie jeder andere Bürger dieses Landes
auch. Aber mit Differenzierung haben es AfD und Co. ja leider eh nicht so sehr.
Sonst käme man am Ende vielleicht noch auf die Idee, dass eine kleine Gruppe
Geflüchteter/Asylanten/Ausländer nicht für die große Gesamtheit steht und man diese
deshalb nicht für die Taten einzelner vorverurteilen darf. Ironischerweise
beschwert sich die AfD ja selbst genau über dieses Problem, wenn Teile Ihrer
Mitglieder oder des Führungspersonals vollkommen überraschend rechtes
Gedankengut verbreiten und dann die gesamte Partei als rechts bezeichnet wird.
All das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass ich mich dazu
genötigt sah und sehe, auf diese für mich erschütternden Umstände hinzuweisen.
Nicht aus Profilierungsgründen, sondern aus einer Notwendigkeit heraus, zeigen
zu müssen, dass solche Ansichten nicht normal sind. Natürlich könnte man
fragen, was das für einen Sinn macht, wenn die eigene Filterblase, wie eingangs
erwähnt, wahrscheinlich größtenteils derselben Meinung ist. Aber da liegt der
Knackpunkt: Größtenteils! Alleine schon rein statistisch ist es nicht
unwahrscheinlich, dass ab einer gewissen Freundesanzahl Leute dabei sind, die
zumindest mit dem Gedankengut der AfD sympathisieren, auch wenn sie es nicht
öffentlich zeigen. An diese Menschen möchte ich mich richten. Ich möchte Ihnen
zeigen, auf was sie sich einlassen, wenn sie bei der nächsten Wahl ihr Kreuz
bei dieser Partei machen. Dass sie dann eine Nazipartei wählen, die sich als
Auffangbecken für besorgte Bürger tarnt. Ob das am Ende wirklich jemanden zum
Umdenken bewegt, zweifle selbst ich an. Da werden meine dummen Sprüche und
Links wahrscheinlich auch nicht mehr viel ausrichten, zumal sie ja auch erst
einmal gesehen werden müssen. Aber diese Leute sollen später nicht sagen, sie
hätten von nichts gewusst. Das war vor 70 bis 80 Jahren schon eine faule
Ausrede und das ist es heute noch immer.
P.S.: Natürlich weiß ich, dass Björn Höcke eigentlich Bernd Höcke
heißt, aber ich habe die Hoffnung, dass es ihn tierisch nervt, wenn sich
„Björn“ durchsetzt und am Ende keiner mehr weiß, was jetzt wirklich richtig ist
P.P.S.: In der ersten Fassung dieses Textes habe ich "Bernd" und "Björn" genau andersrum verwendet, als geplant. Jetzt wollte ich es korrigieren und muss feststellen, dass diese Seite hier macht, was sie will und meine Korrekturen nur bedingt annimmt... Naja, Ihr wisst ja, wie es gemeint ist.
P.P.S.: In der ersten Fassung dieses Textes habe ich "Bernd" und "Björn" genau andersrum verwendet, als geplant. Jetzt wollte ich es korrigieren und muss feststellen, dass diese Seite hier macht, was sie will und meine Korrekturen nur bedingt annimmt... Naja, Ihr wisst ja, wie es gemeint ist.