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Sonntag, 5. Mai 2013

Verschwörungstheorien



Neulich war es wieder soweit. Die Untersuchungen im Zusammenhang mit der Anschlägen von Boston sind noch in vollem Gange. Nach und nach werden immer mehr Details bekannt, langsam scheint sich ein großes Gesamtbild aus den ganzen Informationseinzelteilen herauszubilden. Da tauchte sie wieder auf: Die Verschwörung (Hier bitte im Kopf dramatische Musik abspielen).

Ein Blogger hat im Internet nachgewiesen, dass alles nur eine große Show mit Darstellern war. Das Blut war nicht echt und die abgetrennten Gliedmaßen erst recht nicht. Mal ganz abgesehen von den Reaktionen der Menschen... Das alles haben "DIE" nur inszeniert, um ihre eigentlichen Interessen durchzusetzen (Anstelle von "DIE" kann auch eine beliebige zwielichtige Organisation oder Regierung der Wahl eingesetzt werden). Ist ja auch klar, machen "DIE" ja nicht zum ersten mal.
Aber das kann ja nicht einfach so in den Raum gestellt werden, sonst würde man ja für verrückt erklärt. Nein nein, es muss auch eine Beweisführung geben, im konkreten Fall eine Expertenaussage sowie eine Bild-für-Bild-Betrachtung einer Szene einer Überwachungskamera, die ein für allemal beweist, dass alles nur eine großartig orchestrierte Show ist, welche nur diejenigen durchschauen können, die ganz genau hinsehen! (nachzulesen hier: http://marialourdesblog.com/es-gab-keinen-bombenanschlag-in-boston-es-war-eine-ubung/)

Soviel zur Ausgangslage, mit welcher ich vor ein paar Tagen konfrontiert war. Wieder einmal beanspruchen Leute aus dem Internet, die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben, während alle anderen nur Opfer der von "DENEN" kontrollierten Massenmedien sind. Ähnlich wie auch schon im Fall 9/11 wird wieder davon ausgegangen, dass der Anschlag von Boston so gar nicht passiert ist und die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt wird.
Ein Blogger hat sich die Mühe gemacht, mit einem "Vietnam-Veteranen" zu sprechen, der die Lage in Boston anhand von Bildern und Videos beurteilen sollte, da er durch seine Kriegserfahrung Ahnung von diesen Dingen habe. Dieser angebliche Vietnam-Veteran kam zu dem Schluss, dass die Aussagen der Behörden zur Art der Bombe nicht stimmen können, die Opfer falsch reagieren, die Wunden nicht passen, das Blut zu rot sei etc. pp.
Ich bin kein Experte in Sachen Notfallverhalten und dergleichen, aber ich wage jetzt einfach mal zu behaupten, dass ein Bombenanschlag bei einem Marathon in einer Stadt nicht unbedingt 1:1 mit den Erfahrungen im Vietnamkrieg gleichzusetzen sind. Dies aber einmal außer Acht gelassen wage ich es noch mehr zu bezweifeln, dass jemand, der nicht unmittelbar dabei war und kein ausgewiesener Katastrophenhelfer oder ähnliches ist, auch nur annähernd beurteilen kann, ob diese oder jene Verletzung legitim ist, ob die Menschen sich richtig verhalten oder ob die Zerstörungen nicht zu der vermutlichen Bombenart passt. Zumal auch erst einmal hinterfragt werden sollte, wer denn dieser angebliche Vietnam-Veteran ist und was seine Beweggründe für eine solch schwerwiegende Anklage sind. Alleine die Qualifikation "Vietnam-Veteran" ist schon äußerst fragwürdig.
Ebenso fragwürdig verläuft dann auch die weitere Beweisführung anhand eine Bild-für-Bild-Betrachtung eines Videos der Anschläge. Dort wird augenscheinlich bewiesen, dass die Verletzung eines Opfers gerade vorbereitet wird, indem man Blut verteilt, sich Sichtschutz gibt und auf Signale von anderen Mitwissern wartet. Dass dies willkürliche Interpretationen von Standbildern sind ist dabei natürlich egal. Es werden Unterstellungen gemacht und Annahmen getroffen, was das Zeug hält, um die eigene These zu untermauern. Jedes Detail, was nicht sofort Sinn ergibt wird hergenommen und als Beweis für den eigenen Standpunkt benutzt.

Natürlich wird so etwas von den großen Medien zu recht nicht für voll genommen, schließlich sollte ein wenig gesunder Menschenverstand ausreichen, um solche kruden Thesen von vornherein auszuschließen. Aber wir reden hier ja vom Internet. Der wirklichen Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Durch die ständige und allgegenwärtige Verfügbarkeit von Information, sowie dem wachsenden Misstrauen gegenüber "DENEN" hat man sich mit der Zeit ein Totschlagargument zurechtgebastelt, mit dem man im Prinzip erst einmal alle möglichen Verschwörungstheorien legitimieren kann: Man darf sich nicht nur auf eine Seite verlassen, sondern die Sache von allen Seiten betrachten! Prinzipiell stehe ich dieser Aussage auch wohlwollend gegenüber, allerdings sollte die Frage erlaubt sein, was denn im konkreten Fall alle Seiten sind? Nur weil ich als ach so kritischer Internetnutzer ein diffuses Gefühl beim Gebrauch der Massenmedien habe, weil ich irgendwo mal gehört habe, die werden von "DENEN" gesteuert, muss ich mir unbedingt auch die Seite der "Querdenker" und "unabhängigen Denker" anhören? Einer Seite, die wohlgemerkt keinen direkten Bezug zum Ereignis an sich hat und die keine weitreichende Reputation vorweisen kann. Und vor allem einer Seite, die oft genug eben nicht neutral berichtet, sondern die Berichterstattung mit einem eindeutigen Ziel verknüpft und die eigenen Interpretationen entsprechend danach ausrichtet. Ich für meinen Teil kann auf solchen Ansichten gerne verzichten, ohne dass ich dabei das Gefühl habe, dass ich mich vielleicht doch nicht umfassend informiert habe. Zumal ich das Gefühl habe, dass der Drang sich umfassend zu informieren nicht durchgängig vorhanden ist, sondern immer nur dann aus dem Schrank geholt wird, wenn man es für nötig erachtet. Sprich, wenn mir gefällt was ich sehe/höre/lese, warum sollte ich das hinterfragen?

Neben dieser zweifelhaften Haltung gibt in Bezug auf die meisten Verschwörungstheorien noch andere Vorgehensweisen, welche mich dazu bewegen sie, wenn überhaupt, nur mit großer Vorsicht zu genießen.
Da wäre zum einen die Fixierung auf Details zur Widerlegung des großen Ganzen. Ähnlich wie schon im Bostoner Fall war es zum Beispiel auch bei 9/11 so, dass sich die "Truther" (so nannten bzw. nennen sich diejenigen, die meinten mit ihren Theorien die Wahrheit über die Anschläge am 11. September 2001 ans Licht zu bringen) auf Details versteiften, die in ihren Augen nicht ins Gesamtbild passten. Im Fall 9/11 waren es ebenfalls Sequenzen aus Filmaufnahmen oder sich anscheinend widersprechenden Aussagen von Augenzeugen, die die Zweifler befeuerten. Hinzu kamen auch wieder sogenannte Experten, die behaupteten, diese oder jene Zerstörung kann nicht so passiert sein, wie "DIE" es behaupten. Das Problem an dieser Fixierung auf einzelne Details ist, dass der große Rest nichtsdestotrotz kohärent ist und es vielleicht Antworten gibt, die sich nicht sofort auf den ersten Blick erschließen, da verschiedenste Umstände den Sachverhalt verkomplizieren. Allerdings bekommt man dann das Problem, dass die komplizierteren Lösungsansätze gar nicht erst akzeptiert werden. Der vermeintliche Wahrheitsfinder ist schon so sehr auf dem Verschwörungstrip, dass er Argumente von offizieller Seite gar nicht mehr anerkennt. Schließlich stammen die Argumente ja wieder von "DENEN" oder die Leute werden von "DENEN" beeinflusst so etwas zu sagen. So kann man sich natürlich auch seine eigene Welt zurechtzimmern und von außen unangreifbar machen.
Dabei hilft es ungemein, wenn man sich angewöhnt, die Welt in schwarz und weiß einzuteilen. So macht man es sich selbst ganz einfach und muss sich nicht mit der komplizierten Realität und ihren mannigfaltigen Abhängigkeiten auseinandersetzen. Wenn ich die Welt in gut und böse einteile oder in "DIE" und wir, muss ich mich nicht darum scheren, dass Entscheidungen und Ergebnisse von vielen Faktoren abhängig sind, die sich entweder nicht in dieses Muster einfügen lassen oder die aber dazu führen, dass aus dem netten schwarz und weiß ein tristes grau wird.
Interessant ist auch immer die schon erwähnte Fixierung auf "DIE". Es wird allen Ernstes einer großen Organisation, Behörde, Regierung oder sonst einer Vereinigung zugetraut, dass sie Ereignisse dieser Dimensionen orchestrieren kann, ohne dass die Wahrheit ans Licht kommt (mal abgesehen von den Nachforschungen der Verschwörungstheoretiker natürlich). Gerade in Zeiten des Internets und Wikileaks ist es sehr unwahrscheinlich, dass bei einer Geheimaktion, die meist hunderte, wenn nicht gar tausende Leute umfasst (alleine das ist schon hochgradig fragwürdig) keiner (bewusst oder unbewusst) dafür sorgt, dass kritische Informationen nach außen gelangen. Mal abgesehen davon, dass die Ressourcen, die für so eine Aktion bereitgestellt werden müssen immens sind. Meine Vermutung ist, dass viele Leute von Hollywood in die Irre geführt wurden, was die wirklichen Möglichkeiten z.B. einer CIA oder vergleichbaren Behörde sind. Ja, vieles ist in der Tat möglich, aber nicht in so einem Umfang und in dieser Bündelung. Wenn man alleine bedenkt, wer bei solchen Ereignissen alles geschmiert oder zumindest eingeweiht und zu Stillschweigen verpflichtet werden müsste (von den lokalen Behörden über sämtliche Nachrichtenagenturen und Medienvertreter über die "Statisten" und die Organisatoren im Hintergrund und ich weiß nicht, wer da noch alles mit involviert wäre). Und alle würden natürlich ohne mit der Wimper zu zucken mitmachen, weil man es entweder für den richtigen Preis oder zumindest aus fehlgeleiteter Vaterlandliebe macht.
Zu guter Letzt muss ich ganz persönlich sagen, finde ich es auch gegenüber den wirklich betroffenen Personen sehr perfide, zu behaupten, alles sei eine Lüge und in Wirklichkeit ganz anders. Aus der Distanz und in der Anonymität des Internets heraus ist sowas ganz leicht in die Welt gesetzt, aber wenn ich bedenke, dass es Menschen gibt, die Angehörige verloren haben oder die mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus liegen, ist dies ein Schlag ins Gesicht. Diese Menschen wissen mit absoluter Sicherheit, dass es eben kein Fake ist, was da geschehen ist und gerade in so einer schwierigen Phase auch noch als Lügner oder Unterstützer böser Machenschaften dargestellt zu werden, ist einfach nur schrecklich. Leider sind die Verbreiter dieser kruden Thesen sich dessen oftmals entweder nicht bewusst oder schon so tief in ihrer Wahnvorstellung verwurzelt, dass sie die Realität nicht mehr als solche anerkennen.

Was bleibt einem also übrig, um sich selbst eine Meinung zu bilden? Wichtig ist, dass der gesunde Menschenverstand dabei eine große Rolle spielt. Es ist löblich, sich nicht nur auf eine Quelle zu stützen und auch andere Quellen miteinzubeziehen. Diese Quellen sollten allerdings vertrauenswürdig sein und nicht mit einer eindeutigen Intention verknüpft, den Leser in eine bestimmte Richtung zu drängen. Wenn man dies im Hinterkopf behält, sollte eigentlich nicht viel schiefgehen.

Freitag, 3. Mai 2013

Dokumentierte Realität

Erstmals veröffentlicht am 11.02.2012:

Wenn man sich die deutsche Fernsehlandschaft einmal etwas genauer ansieht, so muss dem geneigten Betrachter eigentlich auffallen, dass einem dort eine sehr merkwürde Realität vor die Nase gesetzt wird.
Alles fing mit den Richtershows an, welche ja nun schon wieder kurz vor der medialen Ausrottung stehen. Richterin Barbara Salesch, Richter Alexander Hold, das Familiengericht, das Jugendgericht, Hauptgericht, Nachspeise, alles wurde auf die Zuschauer losgelassen. Erst jetzt wurde der breiten Bevölkerung bewusst, wie hochdramatisch es in deutschen Gerichten zuging. Täglich klagen von Säure verätzte Models ihr Recht ein, werden brutale osteuropäische Zuhälter verurteilt und der Freak von nebenan eines hinterhältigen Anschlags überführt.
Darauf folgten dann die Spin-Offs à la Lenßen und Partner und diverse Polizeiformate welche dann mit den Gerichtsshows ein magisches, sich selbst wiederverwertendes Dreieck bildeten. Dass man diese Sendungen dann doch sehr schnell als gescriptet, wie man heute so gerne sagt, entlarven konnte, lag ausschließlich an der schon für Seifenoperverhältnisse schlechten schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten (mal ganz abgesehen von der zunehmenden Absurdität der Fälle).

Dieses Prinzip der inszenierten Realität wurde dann auch freudestrahlend im Talkshowsegment aufgenommen. Anscheinend hatte man inzwischen auch die allerletzten echten Freaks ausgegraben und vor die Kamera gezerrt und festgestellt, dass die Unfähigkeit einen geraden deutschen Satz herauszubringen nicht mehr wirklich das beste Mittel ist, um Erfolg zu haben. Einzig die werte Britt hält mit ihrer „Isch hatte zu den Zeit Zecks mit drei Männer un getz uaiß isch nisch, uär von beide der Vatta is“ Sendung die Fahne der klassischen Talkshow hoch. Doch die gescriptete Konkurrenz schläft nicht. Um das magische Gerichtsdreieck noch weiter auszuschlachten wurden die Figuren zur Problembewältigung dann entweder zu Dr. Verena Breitenbach (Klientel 16-25 Jahre) oder Angelika Kallwass (ab 25 Jahren) geschickt, die dann psychologisch wertvoll dafür gesorgt haben, dass der aufmüpfige Marvin endlich einsieht, dass er seine unterdrückten homosexuellen Gefühle nicht durch Gewalt an den Barbiepuppen seiner kleinen Schwester auslassen darf oder dass Horst endlich damit klarkommt, dass seine nymphomane Frau gar nicht anders kann, als mit jedem Kerl in die Kiste zu steigen, der ihr über den Weg läuft.

Aber das war ja im Grunde nur die Spitze des Eisberges der deutschen Gesellschaft. Also dachte man sich schnell den Marketingspruch „Nichts ist spannender als das wahre Leben“ aus und ließ ein neues Monster auf die Fernsehzuschauer los: „Mitten im Leben“ mit samt seinen Klonen zeigte die ganz normale Realität hinter deutschen Wohnungstüren. Interessant, dann empfängt halb Deutschland also Hartz IV, trägt Ed Hardy und das Inzuchtverbot wurde schon vor langem aufgehoben. Außerdem sind die Deutschen wohl rein genetisch nicht in der Lage im Urlaub treu zu bleiben und haben das Studium der Gebrauchsanleitung ihrer Verhütungsmittel nach einer Woche verzweifelt aufgegeben.

Demgegenüber stehen dann die Sender, die tatsächlich noch Dokumentationen zeigen möchten, die mit dem „Alltag“ der Deutschen nicht unbedingt etwas zu tun haben. Früher ist ein Heinz Sielmann noch mit seiner Kamera in den Jeep gestiegen und hat sich unter Afrikas Wildtierherden gemischt um uns die Welt näher zu bringen. Heute gibt’s das Internet, auf Knopfdruck und sofort. Wie kann man also die Menschen zum Zuschauen bewegen?
Dazu gibt es zwei Ansätze. Der erste ist relativ kostengünstig, spart man sich doch die ganze Weltreiserei und den ganzen Stress, wenn man einfach sämtliche Zoos in Deutschland abklappert und das Emotionszentrum im menschlichen Gehirn mit Bildern von süßen kleinen Knuddeltieren und dramatischen Lebensrettungsversuchen von Tierärzten stimuliert. Das mit den Tierärzten ist eh sehr schlau, denn welches kleine Mädchen zwischen 7 und 14 will nicht Tierärztin werden? Das Publikum ist somit eindeutig definiert und besitzt in der Regel XX-Chromosomen.
Der zweite Ansatz geht in die entgegengesetzte Richtung und richtet sich somit an das männliche Geschlecht. Dort muss es in der Regel spektakulär zugehen. Dabei zeichnen sich drei grundlegende Richtungen ab, nämlich Technik und Wissenschaft, Überleben und Essen. Drei Sachen, die Männer als ihre ureigensten Stammgebiete ansehen.
Eine typische Reportage der ersten Kategorie wäre dann zum Beispiel “Wie sieht die Welt in 1000 Jahren ohne den Menschen nach einem Alienangriff auf einem Flugzeugträger nach einem Kometeneinschlag aus, wenn ein Velociraptor schneller als das Auge gegen einen Säbelzahntiger kämpft?“ Die Macher dieser Sendungen suchen offensichtlich gezielt nach Themen, die absolut keine Relevanz für Ottonormalzuschauer haben, sich aber spektakulär anhören und von irgendwelchen Experten (meistens Professoren von Universitäten aus aller Welt) mit Fakten unterfüttert werden. Sofern man von Fakten sprechen kann, wenn man über einen hypothetischen Alienangriff, eine Erde, die von jetzt auf gleich vom Menschen entvölkert ist oder den Ausgang eines Kampfes zwischen einem Velociraptor und einem Säbelzahntiger referiert (zwei dieser Themen habe ich tatsächlich schon im Fernsehen gesehen!).
Die zweite Kategorie geht wieder zurück zur Natur und zwar im wörtlichen Sinne. Ein oder zwei Menschen begeben sich in die entferntesten Winkel dieser Erde und zeigen, wie man dort überleben kann. Meister aller Klassen ist für mich in dieser Kategorie Bear Grylls, ehemaliger britischer Elitesoldat, der einfach alles kann. Er kann auf alles klettern, er kann alles aushalten, er kann alles essen und er kann überall schlafen. Wie man sehen kann, ist er damit zusehends in größerer Gesellschaft. Inzwischen lassen sich sogar schon Hippies und Ehepaare auf ihren Überlebenstrips filmen. Wobei man anmerken muss, dass auch hier die Realität ein wenig zurecht gebogen wird (natürlich nur, um dem Zuschauer noch besser veranschaulichen zu können, wie man überlebt). So war es doch schon ein sehr großer Zufall, als z.B. Bear Grylls sich durch den amerikanischen Westen gekämpft hat, eine Eisenbahnbrücke hochgeklettert ist und schließlich in letzter Sekunde aus einem Eisenbahntunnel herausgesprungen ist, bevor er von einem Zug fast überrollt wurde.
Die dritte Kategorie klingt dagegen schon fast langweilig. Ein Typ wird dabei gefilmt, wie er um die Welt fliegt und isst. Spannend wird das Ganze aber, wenn die Sachen, die er aufgetischt bekommt einer Dschungelprüfung alle Ehre machen würden. Dies ist zwar nicht immer der Fall, aber gerade diese Szenen machen den Reiz aus. Besondere Highlights, an die ich mich erinnere, wären da zum Beispiel diverse Augen, Hoden oder der verrottete Anus eines Wildschweins. Interessant ist auch, dass vieles, was der gewöhnliche, kulturell eher westlich zuzuordnende Zuschauer als exotisch ansehen würde im Zweifelsfall nach nichts oder nach Hähnchen schmecken soll.

Natürlich gibt es im deutschen Fernsehen auch noch andere Dokumentationen (Themenschwerpunkte Antike, Bibel, Ordnungshüter, 2. Weltkrieg und Hitlers Architekten, Frauen, Angestellte, Haustiere, Fensterputzer und Untermieter). Die laufen dann, wenn man die anderen Dokus nicht mehr zeigen kann, weil der Zuschauer nach der fünften Wiederholung inzwischen begriffen hat, dass ein Velociraptor auf einem Flugzeugträger nach einem Kometenangriff gegen ein Alien gewinnen würde, wenn es den Menschen seit 1000 Jahren nicht mehr gäbe.

Zum Schluss bleibt zu sagen, dass jeder die Realität geboten bekommt, die er verdient. Wer mittags Mitten im Leben guckt hat nämlich ganz andere Sorgen als derjenige, der abends bei einem Raupen kauenden Engländer im indonesischen Dschungel einschläft.