Neulich war
es wieder soweit. Die Untersuchungen im Zusammenhang mit der Anschlägen von
Boston sind noch in vollem Gange. Nach und nach werden immer mehr Details
bekannt, langsam scheint sich ein großes Gesamtbild aus den ganzen
Informationseinzelteilen herauszubilden. Da tauchte sie wieder auf: Die
Verschwörung (Hier bitte im Kopf dramatische Musik abspielen).
Ein Blogger
hat im Internet nachgewiesen, dass alles nur eine große Show mit Darstellern
war. Das Blut war nicht echt und die abgetrennten Gliedmaßen erst recht nicht.
Mal ganz abgesehen von den Reaktionen der Menschen... Das alles haben
"DIE" nur inszeniert, um ihre eigentlichen Interessen durchzusetzen
(Anstelle von "DIE" kann auch eine beliebige zwielichtige
Organisation oder Regierung der Wahl eingesetzt werden). Ist ja auch klar,
machen "DIE" ja nicht zum ersten mal.
Aber das
kann ja nicht einfach so in den Raum gestellt werden, sonst würde man ja für
verrückt erklärt. Nein nein, es muss auch eine Beweisführung geben, im
konkreten Fall eine Expertenaussage sowie eine Bild-für-Bild-Betrachtung einer
Szene einer Überwachungskamera, die ein für allemal beweist, dass alles nur
eine großartig orchestrierte Show ist, welche nur diejenigen durchschauen
können, die ganz genau hinsehen! (nachzulesen hier: http://marialourdesblog.com/es-gab-keinen-bombenanschlag-in-boston-es-war-eine-ubung/)
Soviel zur
Ausgangslage, mit welcher ich vor ein paar Tagen konfrontiert war. Wieder
einmal beanspruchen Leute aus dem Internet, die Weisheit mit Löffeln gegessen
zu haben, während alle anderen nur Opfer der von "DENEN"
kontrollierten Massenmedien sind. Ähnlich wie auch schon im Fall 9/11 wird
wieder davon ausgegangen, dass der Anschlag von Boston so gar nicht passiert
ist und die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt wird.
Ein Blogger
hat sich die Mühe gemacht, mit einem "Vietnam-Veteranen" zu sprechen,
der die Lage in Boston anhand von Bildern und Videos beurteilen sollte, da er
durch seine Kriegserfahrung Ahnung von diesen Dingen habe. Dieser angebliche
Vietnam-Veteran kam zu dem Schluss, dass die Aussagen der Behörden zur Art der
Bombe nicht stimmen können, die Opfer falsch reagieren, die Wunden nicht
passen, das Blut zu rot sei etc. pp.
Ich bin kein
Experte in Sachen Notfallverhalten und dergleichen, aber ich wage jetzt einfach
mal zu behaupten, dass ein Bombenanschlag bei einem Marathon in einer Stadt
nicht unbedingt 1:1 mit den Erfahrungen im Vietnamkrieg gleichzusetzen sind.
Dies aber einmal außer Acht gelassen wage ich es noch mehr zu bezweifeln, dass
jemand, der nicht unmittelbar dabei war und kein ausgewiesener
Katastrophenhelfer oder ähnliches ist, auch nur annähernd beurteilen kann, ob
diese oder jene Verletzung legitim ist, ob die Menschen sich richtig verhalten
oder ob die Zerstörungen nicht zu der vermutlichen Bombenart passt. Zumal auch
erst einmal hinterfragt werden sollte, wer denn dieser angebliche
Vietnam-Veteran ist und was seine Beweggründe für eine solch schwerwiegende
Anklage sind. Alleine die Qualifikation "Vietnam-Veteran" ist schon
äußerst fragwürdig.
Ebenso
fragwürdig verläuft dann auch die weitere Beweisführung anhand eine Bild-für-Bild-Betrachtung
eines Videos der Anschläge. Dort wird augenscheinlich bewiesen, dass die
Verletzung eines Opfers gerade vorbereitet wird, indem man Blut verteilt, sich
Sichtschutz gibt und auf Signale von anderen Mitwissern wartet. Dass dies
willkürliche Interpretationen von Standbildern sind ist dabei natürlich egal.
Es werden Unterstellungen gemacht und Annahmen getroffen, was das Zeug hält, um
die eigene These zu untermauern. Jedes Detail, was nicht sofort Sinn ergibt
wird hergenommen und als Beweis für den eigenen Standpunkt benutzt.
Natürlich
wird so etwas von den großen Medien zu recht nicht für voll genommen,
schließlich sollte ein wenig gesunder Menschenverstand ausreichen, um solche
kruden Thesen von vornherein auszuschließen. Aber wir reden hier ja vom
Internet. Der wirklichen Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Durch die
ständige und allgegenwärtige Verfügbarkeit von Information, sowie dem
wachsenden Misstrauen gegenüber "DENEN" hat man sich mit der Zeit ein
Totschlagargument zurechtgebastelt, mit dem man im Prinzip erst einmal alle
möglichen Verschwörungstheorien legitimieren kann: Man darf sich nicht nur auf
eine Seite verlassen, sondern die Sache von allen Seiten betrachten!
Prinzipiell stehe ich dieser Aussage auch wohlwollend gegenüber, allerdings
sollte die Frage erlaubt sein, was denn im konkreten Fall alle Seiten sind? Nur
weil ich als ach so kritischer Internetnutzer ein diffuses Gefühl beim Gebrauch
der Massenmedien habe, weil ich irgendwo mal gehört habe, die werden von
"DENEN" gesteuert, muss ich mir unbedingt auch die Seite der
"Querdenker" und "unabhängigen Denker" anhören? Einer
Seite, die wohlgemerkt keinen direkten Bezug zum Ereignis an sich hat und die
keine weitreichende Reputation vorweisen kann. Und vor allem einer Seite, die
oft genug eben nicht neutral berichtet, sondern die Berichterstattung mit einem
eindeutigen Ziel verknüpft und die eigenen Interpretationen entsprechend danach
ausrichtet. Ich für meinen Teil kann auf solchen Ansichten gerne verzichten,
ohne dass ich dabei das Gefühl habe, dass ich mich vielleicht doch nicht
umfassend informiert habe. Zumal ich das Gefühl habe, dass der Drang sich
umfassend zu informieren nicht durchgängig vorhanden ist, sondern immer nur
dann aus dem Schrank geholt wird, wenn man es für nötig erachtet. Sprich, wenn
mir gefällt was ich sehe/höre/lese, warum sollte ich das hinterfragen?
Neben dieser
zweifelhaften Haltung gibt in Bezug auf die meisten Verschwörungstheorien noch
andere Vorgehensweisen, welche mich dazu bewegen sie, wenn überhaupt, nur mit
großer Vorsicht zu genießen.
Da wäre zum
einen die Fixierung auf Details zur Widerlegung des großen Ganzen. Ähnlich wie
schon im Bostoner Fall war es zum Beispiel auch bei 9/11 so, dass sich die
"Truther" (so nannten bzw. nennen sich diejenigen, die meinten mit
ihren Theorien die Wahrheit über die Anschläge am 11. September 2001 ans Licht
zu bringen) auf Details versteiften, die in ihren Augen nicht ins Gesamtbild
passten. Im Fall 9/11 waren es ebenfalls Sequenzen aus Filmaufnahmen oder sich
anscheinend widersprechenden Aussagen von Augenzeugen, die die Zweifler
befeuerten. Hinzu kamen auch wieder sogenannte Experten, die behaupteten, diese
oder jene Zerstörung kann nicht so passiert sein, wie "DIE" es
behaupten. Das Problem an dieser Fixierung auf einzelne Details ist, dass der
große Rest nichtsdestotrotz kohärent ist und es vielleicht Antworten gibt, die
sich nicht sofort auf den ersten Blick erschließen, da verschiedenste Umstände
den Sachverhalt verkomplizieren. Allerdings bekommt man dann das Problem, dass
die komplizierteren Lösungsansätze gar nicht erst akzeptiert werden. Der
vermeintliche Wahrheitsfinder ist schon so sehr auf dem Verschwörungstrip, dass
er Argumente von offizieller Seite gar nicht mehr anerkennt. Schließlich
stammen die Argumente ja wieder von "DENEN" oder die Leute werden von
"DENEN" beeinflusst so etwas zu sagen. So kann man sich natürlich
auch seine eigene Welt zurechtzimmern und von außen unangreifbar machen.
Dabei hilft
es ungemein, wenn man sich angewöhnt, die Welt in schwarz und weiß einzuteilen.
So macht man es sich selbst ganz einfach und muss sich nicht mit der
komplizierten Realität und ihren mannigfaltigen Abhängigkeiten
auseinandersetzen. Wenn ich die Welt in gut und böse einteile oder in
"DIE" und wir, muss ich mich nicht darum scheren, dass Entscheidungen
und Ergebnisse von vielen Faktoren abhängig sind, die sich entweder nicht in
dieses Muster einfügen lassen oder die aber dazu führen, dass aus dem netten
schwarz und weiß ein tristes grau wird.
Interessant
ist auch immer die schon erwähnte Fixierung auf "DIE". Es wird allen Ernstes
einer großen Organisation, Behörde, Regierung oder sonst einer Vereinigung zugetraut,
dass sie Ereignisse dieser Dimensionen orchestrieren kann, ohne dass die
Wahrheit ans Licht kommt (mal abgesehen von den Nachforschungen der
Verschwörungstheoretiker natürlich). Gerade in Zeiten des Internets und
Wikileaks ist es sehr unwahrscheinlich, dass bei einer Geheimaktion, die meist
hunderte, wenn nicht gar tausende Leute umfasst (alleine das ist schon
hochgradig fragwürdig) keiner (bewusst oder unbewusst) dafür sorgt, dass
kritische Informationen nach außen gelangen. Mal abgesehen davon, dass die
Ressourcen, die für so eine Aktion bereitgestellt werden müssen immens sind.
Meine Vermutung ist, dass viele Leute von Hollywood in die Irre geführt wurden,
was die wirklichen Möglichkeiten z.B. einer CIA oder vergleichbaren Behörde
sind. Ja, vieles ist in der Tat möglich, aber nicht in so einem Umfang und in
dieser Bündelung. Wenn man alleine bedenkt, wer bei solchen Ereignissen alles
geschmiert oder zumindest eingeweiht und zu Stillschweigen verpflichtet werden
müsste (von den lokalen Behörden über sämtliche Nachrichtenagenturen und
Medienvertreter über die "Statisten" und die Organisatoren im
Hintergrund und ich weiß nicht, wer da noch alles mit involviert wäre). Und
alle würden natürlich ohne mit der Wimper zu zucken mitmachen, weil man es
entweder für den richtigen Preis oder zumindest aus fehlgeleiteter
Vaterlandliebe macht.
Zu guter Letzt
muss ich ganz persönlich sagen, finde ich es auch gegenüber den wirklich
betroffenen Personen sehr perfide, zu behaupten, alles sei eine Lüge und in
Wirklichkeit ganz anders. Aus der Distanz und in der Anonymität des Internets
heraus ist sowas ganz leicht in die Welt gesetzt, aber wenn ich bedenke, dass
es Menschen gibt, die Angehörige verloren haben oder die mit schwersten
Verletzungen im Krankenhaus liegen, ist dies ein Schlag ins Gesicht. Diese
Menschen wissen mit absoluter Sicherheit, dass es eben kein Fake ist, was da
geschehen ist und gerade in so einer schwierigen Phase auch noch als Lügner
oder Unterstützer böser Machenschaften dargestellt zu werden, ist einfach nur
schrecklich. Leider sind die Verbreiter dieser kruden Thesen sich dessen oftmals
entweder nicht bewusst oder schon so tief in ihrer Wahnvorstellung verwurzelt,
dass sie die Realität nicht mehr als solche anerkennen.
Was bleibt
einem also übrig, um sich selbst eine Meinung zu bilden? Wichtig ist, dass der
gesunde Menschenverstand dabei eine große Rolle spielt. Es ist löblich, sich
nicht nur auf eine Quelle zu stützen und auch andere Quellen miteinzubeziehen.
Diese Quellen sollten allerdings vertrauenswürdig sein und nicht mit einer
eindeutigen Intention verknüpft, den Leser in eine bestimmte Richtung zu
drängen. Wenn man dies im Hinterkopf behält, sollte eigentlich nicht viel
schiefgehen.