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Sonntag, 16. März 2014

Es war einmal ein Hoeneß



Der arme Uli Hoeneß! Da hat er sich doch schon mutig selbst angezeigt und das ganze PR-Desaster um seine Person in Kauf genommen, weil er läppische 27 Millionen Euro an Steuern hinterzogen hat und dann geht er auch noch dafür in den Knast! Und dann verwendet er noch nicht mal sein restliches Geld dafür, gegen das Urteil vorzugehen! Ja, Uli Hoeneß verdient unser aller Respekt, Mitgefühl und Dankbarkeit!

So oder so ähnlich kam es mir am Freitag zumindest vor, als herauskam, dass der ehemalige Bayern Präsident tatsächlich für 3 1/2 Jahre ins Gefängnis gehen wird (ob es am Ende wirklich 3 1/2 Jahre sind, sei an dieser Stelle erstmal dahingestellt).
Natürlich gibt es auch die gegensätzlichen Stimmen, die den Bayern-Boss noch nie leiden konnten und ihm das Übel dieser Welt anlasten. Diese haben sich auch am lautesten darüber beschwert, wie der Mann denn so viel Geld haben kann, dass er 27 Millionen Euro davon an Steuern hinterziehen kann. Dazu muss man wissen, dass es eben nicht so ist, dass Uli Hoeneß grob 100 Millionen Euro beim Spekulieren mit Aktien gewonnen und davon die Kapitalertragssteuer in Höhe von 25% nicht abgeführt hat, beziehungsweise, dass dies nicht die ganze Geschichte ist. So wie ich es inzwischen verstanden habe, hat Uli Hoeneß über eine Schweizer Bank privat mit Aktien gezockt. Er hat also in großem Maße Aktien ge- und wieder verkauft und dabei mal Gewinn und mal Verlust gemacht. Hätte er diese Geschäfte über eine deutsche Bank abgewickelt, so hätte diese bei jedem Gewinn automatisch die anfallenden Steuern abführen müssen. Bei Schweizer Banken wird dies aber dem Kunden überlassen. Anscheinend hat Hoeneß also einfach jedes mal den gesamten verfügbaren Geldbetrag in die nächsten Aktiengeschäfte gesteckt und damit weitergezockt. Je nach dem, wie gut oder schlecht er das gemacht hat, kann es somit sogar sein, dass er in Summe mit einem Verlust aus der ganzen Zockerei herausgegangen ist und trotzdem Steuern in der bekannten Höhe hinterzogen hat.
Dies nur einmal zum näheren Verständnis.

Was sagt dieses Verhalten nun über Uli Hoeneß aus? Man kann ihm natürlich eine gewisse Naivität unterstellen, schließlich ist der Mann kein Finanz- oder Steuerexperte. Auf der anderen Seite geht es hier um Aktienvolumen und Beträge in beachtlichem Ausmaß. Zock-Sucht hin oder her, so blauäugig kann ein Uli Hoeneß nicht sein, dass dort keine Absicht hinter steckt. In dem Zusammenhang stellt sich zum Beispiel auch die Frage, warum er eine Schweizer Bank für die Abwicklung gewählt hat, wenn er nicht schon im Vorfeld steuerliche Überlegungen angestellt hat?
Ein anderer Aspekt, der jetzt immer wieder in den Vordergrund gerückt wird, ist nicht der rechtliche, sondern der moralische. Schließlich hat gerade auch Uli Hoeneß gerne mit dem Zeigefinger auf andere Leute gezeigt und sie öffentlich angeprangert und verurteilt bzw. seine Meinung zum Thema Steuern in Deutschland gerne an den Mann oder die Frau gebracht.

Hier mal ein paar Auszüge:

"In Starnberg, da gibt es die meisten Millionäre in ganz Deutschland, die haben in den letzten Jahren so gut wie keine Steuern bezahlt [...] Wenn endlich ein System kommt, bei dem die Reichen auf jeden Fall 25 Prozent zahlen müssen, dann hat der Staat dieses Geld wenigstens sicher."

"Keine Regierung der Welt kann mein Vermögen kleinmachen. Das mache ich schon selber - indem ich Fehler mache. Mir ist inzwischen egal, ob ich 20, 50 oder 100 Prozent Steuern zahle. Mir geht es um die kleinen Leute.“
Zum Thema Schwarzgeld in der Bundesliga: "...ich kenne mich bei anderen Vereinen nicht so genau aus, aber ich kann mir es auch dort nicht vorstellen. Es ist doch unklug, solche Dinge zu machen, denn irgendwann kommt doch immer alles heraus. Und es kann doch nicht der Sinn der Sache sein, ins Gefängnis zu wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen"

"Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern."

"Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein."

Zum Thema Christoph Daum: "Kriminelle haben im Fußball nichts verloren!"

Ebenfalls an Christoph Daum gerichtet: "Es geht ja nur darum, dass auch für dich in dieser Bundesrepublik die Gesetze gelten, die es nun mal eben gibt"

An diesen und noch vielen anderen Aussagen muss er sich jetzt messen lassen. Insofern kann man es Uli Hoeneß durchaus als konsequent und ehrlich auslegen, dass er eben nicht den gesamten rechtlichen Rahmen ausschöpft, den sein immer noch beträchtliches Vermögen eventuell hergibt. Er hat sich den Mist eingebrockt, jetzt steht er dazu.
Auf der anderen Seite muss es aber erlaubt sein, auch dieses Verhalten zu hinterfragen. Wie viel Aussicht auf Erfolg hätte denn ein Verfahren bei einer höheren Instanz gehabt? Wie hätte es um die öffentliche Stimmung gestanden, hätte er mit allen Mitteln versucht, der Strafe zu entgehen? Und vor allem, ist das bisher Bekannte wirklich alles? Wie ich es mitbekommen habe, wurden einige wichtige, aber 70.000 Seiten umfassenden Unterlagen erst kurz vor Prozessbeginn eingereicht, was wohl auch die kurzfristigen, immer neuen Wasserstandsmeldungen über die tatsächliche Schuldensumme erklären dürfte. Wer aber sagt denn, dass bei einer genaueren Prüfung mit mehr Zeit nicht noch mehr krumme Geschäfte ans Tageslicht kommen?

All das hält mich davon ab, jetzt in die Jubelorgien ob des ach so ehrlichen Uli Hoeneß miteinzustimmen. Der Mann hat immer noch 27 Mio. Euro an Steuern hinterzogen und wurde deswegen rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von 3 1/2 Jahren verurteilt. Warum sollte ich ihn dafür in den Himmel heben, dass er diese Strafe antritt? Etwa, weil er ja sonst so ein toller Typ ist, der privat schon viel Geld für wohltätige Zwecke gespendet und in der Funktion als Bayern-Manager dem einen oder anderen Club auch schon mal finanziell unter die Arme gegriffen hat? Ich könnte auch genauso gut fragen, was der Staat mit 27 Mio. Euro mehr alles hätte anfangen können. Ist ja nicht so, dass der gesamte Staatshaushalt für Politikerdiäten und vergeigte Bauprojekte draufgeht...  

Letztendlich finde ich es gut, dass auch jemand wie Uli Hoeneß vor Gericht nicht mehr oder weniger wert ist, als jeder andere Mensch. Ich finde es auch gut, dass Uli Hoeneß die Strafe akzeptiert, ungeachtet der eben angesprochenen möglichen Hintergedanken.
Ich bin gespannt, wie es für ihn nach dem Absitzen der Strafe weitergeht, Edmund Stoiber hat sich ja schon für einen neuen Posten für Uli Hoeneß beim FC Bayern ausgesprochen. Da kann man auch geteilter Meinung sein...