Der arme Uli
Hoeneß! Da hat er sich doch schon mutig selbst angezeigt und das ganze
PR-Desaster um seine Person in Kauf genommen, weil er läppische 27 Millionen
Euro an Steuern hinterzogen hat und dann geht er auch noch dafür in den Knast!
Und dann verwendet er noch nicht mal sein restliches Geld dafür, gegen das
Urteil vorzugehen! Ja, Uli Hoeneß verdient unser aller Respekt, Mitgefühl und
Dankbarkeit!
So oder so
ähnlich kam es mir am Freitag zumindest vor, als herauskam, dass der ehemalige
Bayern Präsident tatsächlich für 3 1/2 Jahre ins Gefängnis gehen wird (ob es am
Ende wirklich 3 1/2 Jahre sind, sei an dieser Stelle erstmal dahingestellt).
Natürlich
gibt es auch die gegensätzlichen Stimmen, die den Bayern-Boss noch nie leiden
konnten und ihm das Übel dieser Welt anlasten. Diese haben sich auch am
lautesten darüber beschwert, wie der Mann denn so viel Geld haben kann, dass er
27 Millionen Euro davon an Steuern hinterziehen kann. Dazu muss man wissen,
dass es eben nicht so ist, dass Uli Hoeneß grob 100 Millionen Euro beim
Spekulieren mit Aktien gewonnen und davon die Kapitalertragssteuer in Höhe von
25% nicht abgeführt hat, beziehungsweise, dass dies nicht die ganze Geschichte
ist. So wie ich es inzwischen verstanden habe, hat Uli Hoeneß über eine
Schweizer Bank privat mit Aktien gezockt. Er hat also in großem Maße Aktien ge-
und wieder verkauft und dabei mal Gewinn und mal Verlust gemacht. Hätte er
diese Geschäfte über eine deutsche Bank abgewickelt, so hätte diese bei jedem
Gewinn automatisch die anfallenden Steuern abführen müssen. Bei Schweizer
Banken wird dies aber dem Kunden überlassen. Anscheinend hat Hoeneß also
einfach jedes mal den gesamten verfügbaren Geldbetrag in die nächsten
Aktiengeschäfte gesteckt und damit weitergezockt. Je nach dem, wie gut oder
schlecht er das gemacht hat, kann es somit sogar sein, dass er in Summe mit
einem Verlust aus der ganzen Zockerei herausgegangen ist und trotzdem Steuern
in der bekannten Höhe hinterzogen hat.
Dies nur
einmal zum näheren Verständnis.
Was sagt
dieses Verhalten nun über Uli Hoeneß aus? Man kann ihm natürlich eine gewisse
Naivität unterstellen, schließlich ist der Mann kein Finanz- oder Steuerexperte.
Auf der anderen Seite geht es hier um Aktienvolumen und Beträge in beachtlichem
Ausmaß. Zock-Sucht hin oder her, so blauäugig kann ein Uli Hoeneß nicht sein,
dass dort keine Absicht hinter steckt. In dem Zusammenhang stellt sich zum
Beispiel auch die Frage, warum er eine Schweizer Bank für die Abwicklung
gewählt hat, wenn er nicht schon im Vorfeld steuerliche Überlegungen angestellt
hat?
Ein anderer
Aspekt, der jetzt immer wieder in den Vordergrund gerückt wird, ist nicht der
rechtliche, sondern der moralische. Schließlich hat gerade auch Uli Hoeneß
gerne mit dem Zeigefinger auf andere Leute gezeigt und sie öffentlich
angeprangert und verurteilt bzw. seine Meinung zum Thema Steuern in Deutschland
gerne an den Mann oder die Frau gebracht.
Hier mal ein
paar Auszüge:
"In
Starnberg, da gibt es die meisten Millionäre in ganz Deutschland, die haben in
den letzten Jahren so gut wie keine Steuern bezahlt [...] Wenn endlich ein
System kommt, bei dem die Reichen auf jeden Fall 25 Prozent zahlen müssen, dann
hat der Staat dieses Geld wenigstens sicher."
"Keine
Regierung der Welt kann mein Vermögen kleinmachen. Das mache ich schon selber -
indem ich Fehler mache. Mir ist inzwischen egal, ob ich 20, 50 oder 100 Prozent
Steuern zahle. Mir geht es um die kleinen Leute.“
Zum Thema
Schwarzgeld in der Bundesliga: "...ich kenne mich bei anderen Vereinen
nicht so genau aus, aber ich kann mir es auch dort nicht vorstellen. Es ist
doch unklug, solche Dinge zu machen, denn irgendwann kommt doch immer alles
heraus. Und es kann doch nicht der Sinn der Sache sein, ins Gefängnis zu
wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen"
"Ich
weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern."
"Natürlich
will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch
mal zufrieden sein."
Zum Thema
Christoph Daum: "Kriminelle haben im Fußball nichts verloren!"
Ebenfalls an
Christoph Daum gerichtet: "Es geht ja nur darum, dass auch für dich in
dieser Bundesrepublik die Gesetze gelten, die es nun mal eben gibt"
An diesen
und noch vielen anderen Aussagen muss er sich jetzt messen lassen. Insofern
kann man es Uli Hoeneß durchaus als konsequent und ehrlich auslegen, dass er
eben nicht den gesamten rechtlichen Rahmen ausschöpft, den sein immer noch
beträchtliches Vermögen eventuell hergibt. Er hat sich den Mist eingebrockt,
jetzt steht er dazu.
Auf der
anderen Seite muss es aber erlaubt sein, auch dieses Verhalten zu hinterfragen.
Wie viel Aussicht auf Erfolg hätte denn ein Verfahren bei einer höheren Instanz
gehabt? Wie hätte es um die öffentliche Stimmung gestanden, hätte er mit allen
Mitteln versucht, der Strafe zu entgehen? Und vor allem, ist das bisher Bekannte
wirklich alles? Wie ich es mitbekommen habe, wurden einige wichtige, aber
70.000 Seiten umfassenden Unterlagen erst kurz vor Prozessbeginn eingereicht,
was wohl auch die kurzfristigen, immer neuen Wasserstandsmeldungen über die
tatsächliche Schuldensumme erklären dürfte. Wer aber sagt denn, dass bei einer
genaueren Prüfung mit mehr Zeit nicht noch mehr krumme Geschäfte ans Tageslicht
kommen?
All das hält
mich davon ab, jetzt in die Jubelorgien ob des ach so ehrlichen Uli Hoeneß
miteinzustimmen. Der Mann hat immer noch 27 Mio. Euro an Steuern hinterzogen
und wurde deswegen rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von 3 1/2
Jahren verurteilt. Warum sollte ich ihn dafür in den Himmel heben, dass er
diese Strafe antritt? Etwa, weil er ja sonst so ein toller Typ ist, der privat
schon viel Geld für wohltätige Zwecke gespendet und in der Funktion als
Bayern-Manager dem einen oder anderen Club auch schon mal finanziell unter die
Arme gegriffen hat? Ich könnte auch genauso gut fragen, was der Staat mit 27
Mio. Euro mehr alles hätte anfangen können. Ist ja nicht so, dass der gesamte
Staatshaushalt für Politikerdiäten und vergeigte Bauprojekte draufgeht...
Letztendlich
finde ich es gut, dass auch jemand wie Uli Hoeneß vor Gericht nicht mehr oder
weniger wert ist, als jeder andere Mensch. Ich finde es auch gut, dass Uli
Hoeneß die Strafe akzeptiert, ungeachtet der eben angesprochenen möglichen
Hintergedanken.
Ich bin
gespannt, wie es für ihn nach dem Absitzen der Strafe weitergeht, Edmund
Stoiber hat sich ja schon für einen neuen Posten für Uli Hoeneß beim FC Bayern
ausgesprochen. Da kann man auch geteilter Meinung sein...
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