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Mittwoch, 21. Mai 2014

Warum Deutschland 2014 auf jeden Fall und unbedingt Weltmeister wird - oder auch nicht



So langsam nähern wir uns dem Höhepunkt. Immer mehr Vorhersagen, Prognosen und Meinung sprießen im Moment aus dem Boden, wer dieses Jahr wohl wieder Weltmeister werden wird. Hierzulande natürlich mit dem Fokus darauf, warum es auf jeden Fall Deutschland wird bzw. auf gar keinen Fall werden kann.
Dabei liegt es natürlich in der Natur der Sache, dass in so ein emotionales Opium fürs Volk, wie es der Fußball nunmal ist, Objektivität nicht das allerhöchste Gebot der Stunde ist, wobei das natürlich subjektiv jeder von sich behauptet. Deswegen hier die einzig wahre subjektiv objektive Einschätzung der Lage: nämlich meine!

Blicken wir zunächst einmal zurück. Die vergangenen Ergebnisse der DFB Elf können sich eigentlich sehen lassen: 2006: Dritter, 2008: Zweiter, 2010: Dritter, 2012: Dritter. Aber den 80 Mio. deutschen Bundestrainern reicht das natürlich nicht. Wie kann man mit einem so guten Team keine Titel holen?! Das muss am Trainer liegen!
Tatsächlich wird das Murren nach jedem nicht gewonnenen Turnier an den deutschen Stammtischen immer lauter. Der Löw bringt's nicht! Der macht nicht aus dem Potenzial! Zugegeben, Jogi Löw macht es seinen Kritikern auch nicht unbedingt schwer, sich an ihm zu reiben. Seien es personelle oder taktische Entscheidungen, von denen er sich von nichts und niemandem irritieren lässt oder seine generelle leicht hochnäsige, schwäbische Art: Wenn man Kritikpunkte sucht, findet man bestimmt welche. Aber kann man Jogi Löw tatsächlich ein Versagen vorwerfen, wenn man unter seiner Ägide (die Zeit als Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann einmal mit eingerechnet) in vier aufeinanderfolgenden Turnieren nie schlechter als Platz drei war?
Natürlich kann man dazu einwerfen "Ja klar, schließlich haben wir es auch viermal nicht geschafft, so ein Turnier zu gewinnen". Diese höchst polemische Ansicht ist mir aber zu einfach. Sie impliziert nämlich, man brauche einfach ein gutes Team, das hart arbeitet und dann muss sich zwangsläufig irgendwann der Erfolg einstellen. Dies ist eine typisch deutsche Einstellung.
Dies lässt allerdings außer Acht, dass für einen Erfolg auch andere Faktoren eine Rolle spielen, angefangen bei den anderen Teams, über die Tagesform, bis hin zu eine Sache namens Glück. Natürlich haben wir hier in Deutschland ein Team, das, wenn es optimal funktioniert, jeden Gegner schlagen kann. Aber die Betonung liegt hier auf KANN, nicht zwangsläufig wird. Man darf z.B. nicht vergessen, dass parallel zum deutschen Hoch die Spanier ein noch viel höheres Hoch hatten bzw. evtl. sogar noch haben. Das muss man dann einfach akzeptieren und nicht ständig darauf pochen, dass wir doch gewinnen MÜSSEN. Hinzu kommt, dass trotz aller Professionalität und Organisation immer noch Menschen auf dem Platz stehen, die nun mal oft genug von ihrer generellen bzw. Tagesform abhängig sind. In Kombination mit dem Faktor Glück (oder Pech) kann dies durchaus entscheidend zum Ausgang eines Spiels beitragen, sei es weil man den einen Schritt zu spät ist, einmal nicht mitgedacht hat, ein Foul zu viel begangen hat oder die Aufstellung einen Tick zu offensiv ausgerichtet hat.
Diese Punkte gelten natürlich auch umgekehrt. Nur weil wir in den letzten Turnieren nicht gewonnen haben, heißt das noch lange nicht, dass es diesmal auch nichts wird. Auch die gegnerischen Teams haben mit anderen Mannschaften, der eigenen Form und dem Glück/Pech zu kämpfen. Warum sollten wir dies nicht auch einmal zu unserem Vorteil ausnutzen können?
Nun, was leider ein wenig dagegen spricht, dass die DFB Elf den Titel holt, ist der Umstand, dass die WM blöderweise in Brasilien stattfindet. Mal abgesehen von den klimatischen Bedingungen, die wenigstens auch für einen Großteil der anderen angereisten Mannschaften nicht unbedingt Alltag sind, findet das Turnier im Land eines Top-Favoriten statt, dessen Leidenschaft und Engagement durch die frenetischen Fans noch weiter gepusht wird. Der Tenor, den ich bisher so herausgehört habe ist, dass die Südamerikanischen Teams bei einer WM auf dem eigenen Kontinent grundsätzlich noch einmal stärker motiviert sind als sonst und Brasilien durch seine Gastgeberrolle vor Motivation eigentlich platzen müsste. Diese Einschätzung hat schließlich auch Oliver Bierhoff, seines Zeichens bekanntermaßen Team-Manager der Nationalmannschaft, zu der folgenden Aussage bewegt:

"Für Europäer ist es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, dort zu gewinnen. Das wird ein ganz harter Brocken. Südamerikanische Mannschaften haben dort einen Vorteil"

Bei den 80 Mio. Bundestrainern kam es aber größtenteils so an:

"Wir haben gar keine Chance, am besten bleiben wir direkt zu Hause"   

Und zack, hatte man schon wieder einen, auf den man draufhauen konnte, wenn es einem mit dem Jogi Löw zu langweilig wurde. Zum Glück ist der Bierhoff ja ebenfalls ein bisschen schnöselig, da macht das dann umso mehr Spaß, auf ihm rumzuhacken.
Dass er damit aber eigentlich gar nicht so verkehrt lag und nur versucht hat, die Lage realistisch einzuschätzen, war den meisten dabei entweder entgangen oder schlichtweg egal. Wen es interessiert, hier ein Link zu einem Artikel auf Spiegel Online, der sich mit der Semantik der Bierhoff'schen Aussage befasst: http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundestrainer-loew-eigentlich-doch-wm-favorit-a-890822.html

Ja und wie lautet nun meine Einschätzung, was das deutsche Abschneiden in Brasilien betrifft?
Deutschland wird Weltmeister - vielleicht!

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